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Gemeinsam Sein (Arbeitstitel)

Essay-Film, D 2016/17, 60-90 Min. | Buch & Regie: Sabrina Dittus | Status: in Entwicklung
Kamera: Vita Spiess u.a. | Schnitt: Christopher Kaps | Produktion: Pepperlint Film


SYNOPSIS

„All unsere Spaltungen können nicht verhindern, dass wir gemeinsam sind, wir alle.“ Das schreibt der französische Philosoph Jean-Luc Nancy in Die herausgeforderte Gemeinschaft (dt. 2007). Worum es ihm geht, ist radikal: um ein neues Denken des Gemeinschaftlichen, das Gemeinschaft nicht in (vermeintlich) gemeinsamen Wesens-eigenschaften begründet, nicht in dem, was wir (vermeintlich) gemein haben, nicht in Ethnizität, Nationalität, Religion etc., sondern in unserem gemeinsamen Sein in einer Welt.

In radikaler Abgrenzung zu jeglichen Tendenzen der Ho­mogenisierung oder Totalisierung insistiert Nancy auf dem Charakter der Offenheit, Unabgeschlos­senheit und Zukünftigkeit gemeinschaftlichen Seins. Gemeinschaft darf nicht nach Vollendung oder Geschlossenheit streben, ist kein Zustand, sondern ein Geschehen und als solches unabschliessbar und unumgrenzbar. Sie ist Frage, Auf­gabe, Aufforderung. Die einzig mögliche Totalität dieser Gemeinschaft, schreibt Nancy, ist die „Totalität eines Dialogs“: „Wir teilen, was uns trennt: die Freiheit eines unkalkulierbaren und unwahrscheinlichen Kommens“.

An Nancys Denken des Gemeinsam Seins anknüpfend – und im Gespräch mit ihm – erkundet, sucht, dokumentiert der Film unterschiedliche Formen und einen neuen Sinn gemeinsamen Seins, gemeinschaftlichen Seins, von Gemeinschaft. Unhintergehbar heterogen, offen, zukunftsbezogen, in Bewegung – in der Stadt und auf dem Land, in queeren, aktivistischen, künstlerischen Kontexten.

Der Film nimmt die Form des Essays, weil der Film-Essay der neu zu denkenden Gemeinschaft in vielem ähnlich ist: fragend, erkundend, sich nach vorne entwerfend, in eine offene Form.


PREISE / AWARDS

August 2016: Bremer Dokumentarfilm Förderpreis 2016

Jury Begründung:

Gemeinsam haben wir Menschen vieles, und doch scheint Gemeinsamkeit und Gemeinschaft so schwer zu realisieren zu sein, wie zu denken. Zumal viele mit guten Gründen auf den Grenzen der Gemeinschaft bestehen. Den Abgründen, den Chancen und Risiken von Gemeinschaft denkt Jean-Luc Nancy seit Jahrzehnten nach. Sie sind offenbar auch ein Lebensthema von Sabrina Dittus, die sich seit über zehn Jahren mit Nancy beschäftigt.
Der Film-Essay ist eine verführerische, zugleich eine schwierige und ziemlich aus der Mode gekommene Form. Erst recht abseits aller Dokumentarfilmmoden ist die Absicht, einen Philosophen zu portraitieren, und für dessen Ideen eine filmische Form zu finden. Dieses mutige und seltene Projekt, das sich gegen den herrschenden Strom stellt, verdient Unterstützung.

Aktuelles


23. Okt.: „We Are Here. Young Gaza on Stage“ läuft auf dem Boston Palestine Film Festival.


13. Okt.: „Wir sind hier. Vorhang auf für Gaza“ (orig. „We Are Here. Young Gaza on Stage“) läuft auf dem Arabischen Filmfestival in Tübingen, Beginn 18 Uhr, anschliessend Filmgespräch.


10.-12. Okt.: „Milliarden für den Stillstand“ läuft auf dem Entwicklungspolitischen Filmherbst 2017 Baden-Württemberg – am 10. in Weinstadt (Kommunales Kino), am 11. in Bad Waldsee (seenema Stadtkino), am 12. in Tübingen (Club Voltaire), Beginn 19.30/20.00 Uhr, mit anschliessendem Filmgespräch.


26. Sept: „Milliarden für den Stillstand“ läuft im naxos-Kino, Frankfurt/M., Beginn 19.30 Uhr, anschließend Q&A.


23. August: „Milliarden für den Stillstand“ läuft auf der globaLE, dem globalisierungskritischen Filmfestival in Leipzig, im Open-Air-Kino auf der Wiese im Richard-Wagner-Hain, anschließend Q&A.


Juli/August: „Wir sind hier: Vorhang auf für Gaza“ läuft auf dem Internationalen Fünf Seen Filmfestival: am 30.7. um 19Uhr in Gauting, 31.7. um 19Uhr und 01.8. um 18Uhr in Starnberg in der Schlossberghalle, anschließend Q&A.


2. Juli: „Milliarden für den Stillstand. Die Rolle der EU im Nahost-Konflikt“ läuft im nbk (Berlin) im Rahmen der Ausstellung „Conditions of Political Choreography, Beginn 20.30 Uhr.


13. Mai: „Milliarden für den Stillstand“ wird im Fernsehworkshop Entwicklungspolitik in Frankfurt/Main gezeigt, Beginn 16 Uhr, Haus am Dom.


23./24. März: Brotfabrik Berlin zeigt „Wir sind hier. Vorhang auf für Gaza“, 18 Uhr, anschliessend Publikumsgespräch.


2. Feb.: Deutschland-Premiere von „Wir sind hier. Vorhang auf für Gaza“ in Berlin, Salon der Rosa-Luxemburg-Stiftung, 19 Uhr, mit Q&A nach dem Film.